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News 22.03.2019

Datenschutz: Das doppelte Paradoxon

Studie zur Einstellung der Deutschen bezüglich Big Data und Datenschutz

Wie stehen die Deutschen zu Big Data, künstlicher Intelligenz und digitaler Vernetzung? Sie fordern mehr Datenschutz und fühlen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt – kümmern sich aber privat nur wenig um ihre Datensicherheit. Zugleich fürchten sie die große Menge an Daten, die durch die Digitalisierung aller Lebensbereiche existieren und deren Verarbeitung – sind aber gerne bereit, die aus der Vernetzung resultierenden Vorteile in ihr Leben zu lassen. Dieses doppelte Paradoxon ist das Ergebnis einer Studie mit 1.000 Teilnehmern von Prof. Horst Müller-Peters von der TH Köln mit Unterstützung des Goslar Instituts.

Datenschutz ist für die Deutschen quer durch alle Altersschichten ein relevantes Thema. Nur fünf Prozent der in der Studie Befragten nehmen den Datenschutz persönlich nicht wichtig. Und nur rund 16 Prozent interessiert es nicht, was mit ihren Daten geschieht. Zudem fühlen sich 56 Prozent von großen Internetkonzernen abhängig, können zu 41 Prozent auf viele Dienste nicht verzichten und bezweifeln zu 52 Prozent, dass sich Konzerne an die Datenschutzbestimmungen halten.

Die Deutschen sind eher pessimistisch im Hinblick auf die Folgen vernetzter Technologien. So glauben 80 Prozent der Befragten, dass der Schutz der Privatsphäre dadurch immer schwieriger wird und 78 Prozent, dass neue Gefahren – etwa durch Datenmissbrauch – drohen. In der Summe überwiegen für 42 Prozent der Befragten die Risiken, während nur 22 Prozent primär die Chancen sehen. Die eher negative Einstellung gegenüber Big Data ändert sich, wenn nach konkreten Anwendungsfeldern gefragt wird; beispielsweise befürworten 72 Prozent der Befragten Assistenzsysteme im Auto.

„Die Bedeutung des Datenschutzes und das Gefühl, in der Freiheit beschränkt zu sein, stehen im deutlichen Gegensatz zum Verhalten vieler Befragter. Denn die Mehrheit von ihnen verwendet in großem Umfang Geräte oder Anbieter, die über die gesammelten Daten umfangreichen Einblick in das Privatleben erhalten“, sagt Müller-Peters.

Befragt nach dem Einsatz von mit dem Internet verbundene Geräte wie Computer, Smartphones, Tablets und internetfähigen Fernseher oder auch Fitnessarmbändern, Homeboxes (wie Alexa) und Smartwatches geben die Befragten im Schnitt an, 3,6 der aufgeführten Geräte einzusetzen.

Ebenfalls weit verbreitet ist die Nutzung von Online-Diensten wie Google (93 Prozent der Befragten), WhatsApp (82 Prozent), YouTube (79 Prozent) und Facebook (55 Prozent). Die große Mehrheit verfügt zudem über einen eigenen Account bei Amazon, Google und eBay. Ein Drittel der Befragten schätzt, bei über 20 Internet-Diensten persönliche Daten hinterlegt zu haben.

Den Einzelnen bieten sich zahlreiche Möglichkeiten den Datenschutz auch trotz Einsatz der Dienste und Geräte zu verbessern, doch nur wenige nutzen diese. So können nur acht Prozent der Befragten als „aktive Datenschützer“ bezeichnet werden. 22 Prozent sind Datenschutz-Phlegmatiker und gebrauchen nur sehr wenige geeignete Maßnahmen. „Der größte Teil der Bevölkerung nutzt die Schutzmaßnahmen, die nicht zu viel Aufwand bedeuten, verhält sich also pragmatisch oder wenn man es negativ formulieren will: leicht fahrlässig“, so Müller-Peters.

Die Studie ist Teil der Publikation „Big Data: Bürgerschreck oder Hoffnungsträger? Zum Nutzen und Schutz von Daten des souveränen Bürgers in seinen Lebenswelten“, herausgegeben von Prof. Dr. Susanne Knorre von der Hochschule Osnabrück, Prof. Dr. Fred Wagner von der Universität Leipzig und Prof. Horst Müller-Peters von der TH Köln.

Einen Auszug aus der Studie finden Sie hier.

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