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Blog 15.12.2018

KI in Deutschland: Sind wir Wissensriesen und Umsetzungszwerge?

von Martina Schneider

Mitte November wurde die KI-Strategie der Bundesregierung veröffentlicht. Eines der zentralen Ziele lautet: Deutschland und Europa soll „zu einem führenden KI-Standort gemacht werden“ zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Künstliche Intelligenz ist in der Lage alles zu verändern: Wie wir arbeiten, wie wir leben – die Gesellschaft. Das Ziel ist also ganz schön hoch gesteckt. Denn Deutschland hat ein Problem: eine schmerzhafte Transfer-schwäche. In den Forschungsinstitutionen ist die Wissenspro-duktion hoch – aber die Übertragung in marktfähige Produkte geschieht anderswo.

Deutschland zu einem weltweit führenden Standort von KI zu machen, ist eine immense Aufgabe. Man fragt sich, wie das eigentlich gehen kann? In der Zielformulierung der KI-Strategie steht, dass dies „durch einen umfassenden und schnellen Transfer von Forschungsergebnissen in Anwendungen“ erfolgen soll. Dazu wird die sehr gute wissenschaftliche Basis weiter ausgebaut und mit vielversprechenden technologischen Entwicklungen und KI-Anwendungen verknüpft. „Wir wollen, dass unser starker Mittelstand von KI-Anwendungen profitiert, und werden entsprechende Angebote und Rahmenbedingungen schaffen.“ 

Aber das ist genau der Punkt: Wie können Unternehmen weitere Anwendungen generieren bzw. in ihre Digitalisierungsprozesse integrieren – wenn sie nicht gerade glücklicherweise einen der spärlich verfügbaren KI-Experten auf ihrer Payroll haben? Außerdem scheint mir, sind wir noch lange nicht an dem Punkt angekom-men, die Technologie mit ihren vielen Facetten und Anwendungsbausteinen in ihrer Komplexität zu verstehen! Auch, wenn der Bitkom hier gerade eine bemerkenswerte Publikation veröffentlicht hat. 

Unter dem Titel: „Digitalisierung gestalten mit dem Periodensystem der Künstlichen Intelligenz“ unternimmt der Digitalverband den Vorstoß, für Entscheider eine kompakte Navigationshilfe auf „Laien-Niveau“ anzubieten. Das KI-Periodensystem soll dabei helfen, Einsatzgebiete, Chancen und Risiken von KI-Technologien einzuordnen. Dies ist schon mal ein guter Schritt auf dem Weg, Investitions-vorschläge zu beurteilen oder bei strategischen Neuausrichtungen die Tragweite des Einsatzes von KI-Technologien „in vertretbaren Ansätzen“ zu erfassen. Aber der Weg zu einem führenden KI-Standort ist lang. 

Denn entgegen der aktuellen Wahrnehmung des Hype-Themas KI, nach der wir schon in Kürze unsere Arbeit verlieren und autonome Fahrzeuge das Straßenbild prägen: Es gibt noch gar nicht so viele KI-Anwendungen, die Unternehmen in ihre Geschäftsprozesse integrieren können. Auch der Bitkom verweist darauf, dass sich viele Entwicklungen gerade erst auf dem Sprung von der Wissenschaft in die Anwendung befinden. Für diesen Übergang ist das Thema Transfer fest verankert in der vorliegenden KI-Strategie. 

Aber gerade hier – bei dem Transfer von Wissen in marktgerechte Produkte – hat die EU ein zentrales Problem. Zu diesem Ergebnis kommt die in 2018 vom EFI-Institut veröffentlichte Studie: Erkenntnis- und Wissenstransfer im Kontext europäischer F&I-Politik. Demnach sind Fördermaßnahmen der europäischen F&I-Politik darauf ausgerichtet, neues Wissen in marktfähige Produkte zu transferieren. Bei der Frage, ob dies auf europäischer Ebene gelingt, hält die Studie fest, dass Europa unter einer Transferschwäche leidet. 

Dass ein Transferdefizit vorliegt, ist nicht neu. Was aber jetzt neu ist, ist die enorme Geschwindigkeit der Wandlungsprozesse, die durch die Digitalisierung und speziell durch die Integration von KI-Technologien – und noch mal verschärft in Kombination mit der Entwicklung von 5G – hervorgerufen werden. „Die Verkürzung von Innovationszyklen setzt das Transfersystem in vielen Branchen enorm unter Druck“. Zu diesem Ergebnis kommt die Acatech-Studie: Moderne Formen des Wissens-, Technologie und Erkenntnistransfers aus 2016. Sie attestiert dem Deutschen Wissenschaftssystem ebenfalls eine hohe Leistungsfähigkeit – weist aber gleich-zeitig darauf hin, dass eine „inkrementelle Fortführung bewährter Transfer-strukturen nicht ausreicht, um mit verkürzten Innovationszyklen mithalten zu können“. 

Jetzt noch mal zurück zur KI-Strategie der Bundesregierung: Mit dem Anspruch aus Deutschland einen führenden Standort in Sachen KI-Technologien zu machen, haben wir also nicht nur die Bewältigung einer komplexen Technologie als Hausaufgabe, sondern müssen auch das bestehende Transfersystem neu überdenken. 

Haben Sie hierzu schon eine Idee? Ich bin sehr gespannt.

Herzliche Grüße
Martina Schneider 

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