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Blog 04.05.2018

re:publica goes POP – die Macht der Menschen

von Martina Schneider

Die Technologien der künstlichen Intelligenz versprechen hohes wirtschaftliches Potential und prosperierende gesellschaftliche Entwicklungschancen. Gilt das für alle? Chelsea Meanning warnt: "Algorithmen sind nicht neutral" und Danah Boyd kritisiert: "Algorithmen unterstützen nicht zwangsweise eine Welt, in der wir gerne leben möchten".

Seit mittlerweile 12 Jahren kommt die europäische Netzszene zusammen, um auf einer der größten Konferenzen zum Thema Netz und Gesellschaft zu diskutieren. Zentrales Anliegen des „digitalen Volksfestes“ ist der Dialog zu den Entwicklungen im Netz und dessen gesellschaftlichen Auswirkungen. Unter dem Motto POP: Power of People – einer Anspielung auf eine vernetzte Gesellschaft in der Populismus immer deutlicher zutage tritt – steht die „Macht der Menschen“ im Mittelpunkt des Programms inklusive kritischer Diskussionen zwischen Medienschaffenden, Bloggern, Datenschützern, Start-up Gründern und allen anderen digital-affinen Teilnehmern.

Einer der Stargäste war Chelsea Manning, die als Whistleblowerin in den USA wegen Spionage zunächst zu 35 Jahren Haft verurteilt – später von Barak Obama begnadigt wurde. Sie warnte vor der zunehmenden Anhäufung von Daten bei Unternehmen und Regierungen und vor den gesellschaftlichen Auswirkungen, die durch Algorithmen und selbstlernende Maschinen entstehen. Für große Unternehmen wie Google und Facebook sei es ein leichtes, die Verantwortung abzugeben und sich auf den Standpunkt zu stellen: das war der Algorithmus, wir haben die Entscheidung doch nicht getroffen. Ihrer Ansicht nach sind Algorithmen keinesfalls neutral. "Sie übernehmen die Voreingenommenheit in den Daten, mit denen Du sie fütterst. Und solange Du die Algorithmen und ihre ethischen Auswirkungen nicht aktiv beobachtest, gibt es keinen Ausweg. Du musst sie dir anschauen und sagen: Das passiert, das macht der Algorithmus, und das sind die Auswirkungen auf unsere Gesellschaft."

Ebenso deutlich formuliert es die amerikanische Medienwissenschaftlerin Danah Boyd: „Algorithmen unterstützen nicht zwangsweise eine Welt, in der wir gerne leben möchten“. Sie kritisiert in ihrem Vortrag, dass auf Seiten der Entwickler viel zu wenig über die moralischen Konsequenzen im Zusammenhang mit Algorithmen und künstlicher Intelligenz nachgedacht wird und zeigt viele Beispiele auf. Wie z. B., dass es Rechtspopulisten immer wieder gelingt, im Internet falsche Fährten zu legen: Fake-News, die u. a. in vergangenen Wahlkämpfen zur erheblichen Verunsicherung beigetragen haben. Als Beispiel führt sie den Suchbergriff „black on white crime“ an, der zunächst neutral ist – allerdings in Suchmaschinen auf rechtsextreme Seiten verweist, da deren Betreiber Suchalgorithmen massiv manipulieren. 

Auf der Veranstaltung stellten dieses Jahr ebenfalls viele andere Vortragende die Schattenseiten der Technologieanwendungen von Big Data & Co. in den Mittelpunkt – gepaart mit der Frage, wer eigentlich die Verantwortung für die Ergebnisse übernimmt. Schade nur, dass trotz dreier Vortragstage hierzu keine Antworten zu erwarten sind.

Die re:publica wird immer politischer und es ist gut, dass kritisch hinterfragt wird, welche gesellschaftlichen Auswirkungen von Algorithmen ausgehen. Dabei wissen wir ja, die Technologie ist erst einmal neutral. Wir müssen aber gut aufpassen, wie wir sie anwenden.

In diesem Sinne lade ich Sie herzlich zu unserer nächsten Veranstaltung: Das nächste Level der Mobilität: Automatisierung, multimodale Services und die Rolle von Daten ein. Aber bitte – diskutieren Sie kritisch mit – und schauen Sie der Technik auf die Finger!

Herzliche Grüße
Martina Schneider

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