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Blog 11.08.2017

Ökonomische und ökologische Wertschöpfung – geht das?

von Jacqueline Stork

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Ein Interview mit dem operativen Leiter des EWIMA-Projektes

Marcel Graus ist operativer Leiter des Projektes Energiewissensmanagement zur unternehmensübergreifend optimierten Energieverwendung (EWIMA) und ist zudem verantwortlich für die inhaltliche Arbeit an einer Datenanalytik für das industrielle Energiemanagement. Die übergeordnete Zielsetzung des Projektes EWIMA ist die Reduktion von Treibhausgasemissionen durch die Integration erneuerbarer Energien bei gleichzeitiger Erhöhung der regionalen und nachbarschaftlichen Wertschöpfung von KMU. Im Interview gibt Marcel Graus einen spannenden Einblick in die Arbeit des im März 2017 gestarteten Projektes und erläutert die Roadmap des Projektvorhabens.

Herr Graus, Ihr Projekt hat sich das Ziel gesetzt, regional orientierte, ökologische und ökonomische Wertschöpfung in Zeiten von Industrie 4.0 zu vereinen. Wie wurde die Projektidee geboren?

Marcel Graus: Der Ursprung der Projektidee war die Beobachtung, dass einerseits immer mehr Unternehmen eigene Energieerzeugungsanlagen, wie Photovoltaik-Anlagen oder Blockheizkraftwerke, besitzen, jedoch das betriebliche Energiemanagement zumeist mit der Energie-Auditierung oder einer ISO 50001 Zertifizierung aufhört. Diese Einschätzung konnte schnell in ersten Dialogen mit verschiedenen Unternehmen bestätigt werden. Gleichzeitig werden in zahlreichen Bereichen der Wirtschaft bereits Industrie 4.0- und IoT-Ansätze diskutiert, die sich prinzipiell auch anbieten, um dezentrale Energieerzeugung und die Flexibilität in der Nutzung von Energie innerhalb von industriellen Unternehmen zusammenzubringen. Mit der Überlegung, dass ein künftiges Smart Grid auch initialisiert werden kann, indem zunächst die einzelnen Einheiten, wie Industrieunternehmen, befähigt werden, ihren Umgang mit der Ressource Energie zu optimieren, ergibt sich schnell die Schlussfolgerung, dass eine Kooperation mit weiteren Unternehmen in direkter Nachbarschaft der Schritt von einem ganzheitlichen Energiemanagement innerhalb eines Unternehmens zu einem Smart Grid sein kann. Seit dem Start im März 2017 können wir nun endlich die Ideen aus der Antragsphase des Projektes umsetzen. 

Welche Rolle nehmen Sie innerhalb des umfangreichen Projektvorhabens ein?

Marcel Graus: Einerseits arbeite ich als operativer Projektleiter und andererseits bin ich inhaltlich verantwortlich für den Aspekt der Datenanalytik für das industrielle Energiemanagement. Hierbei geht es um die Entwicklung von Modellen und Algorithmen sowie der Anwendung passender IT für eine Nutzung der Informationen, die man aus Daten von Sensoren und Co. gewinnen kann – und das möglichst in Echtzeit, das heißt in der Geschwindigkeit, in der der Anwender auch tatsächlich die Informationen benötigt.

Was macht Ihr Projekt einzigartig und was sind die größten Besonderheiten?

Marcel Graus: Das Projekt zeichnet sich sicherlich durch seine große Anwendungsnähe aufgrund des geplanten prototypische Aufbaus in vier sogenannten EWIMA Hubs in NRW aus. Hierbei werden die entwickelten Konzepte direkt in der Praxis getestet und zwar in unterschiedlichen Umgebungen, von der Großindustrie bis zur Abfallwirtschaft. Spannend ist dabei der Ansatz, dass betriebliche Energiemanagement als Keimzelle für den Aufbau eines künftigen Energiesystems zu betrachten und dann auf Kooperation zwischen benachbarten Unternehmen zu setzen. Dieser Zugang scheint nach den ersten Erfahrungen im Projekt ein möglicher Zugang zur Industrie zu sein, um sie aktiver in die Gestaltung der Energiewende einzubinden. Dadurch bekommen auch kleinere Unternehmen die Möglichkeit, sich in der Entwicklung der Energiewende einzubringen und Erfahrung in der branchenunabhängigen Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen in der direkten Nachbarschaft zu sammeln. Das kann auch außerhalb der Energiewende-Thematik Vorbildcharakter haben kann.

Die dafür notwendigen Erweiterungen eines klassischen Energiemanagements, insbesondere in den Möglichkeiten Daten mit modernen Ansätzen aus den IKT zu verarbeiten, ist aus technischer Sicht sicherlich der spannende Part am Projekt. Hierfür wurde eine eigene cloudbasierte Plattform konzipiert. Das Projekt verbindet also in besonderer Art und Weise Hightech und Nachhaltigkeit.

Konnten erste Ergebnisse des Projektes bereits in der Praxis angewandt werden?

Marcel Graus: Das Projekt ist erst vor 4 Monaten, im März 2017, gestartet. Dennoch sind wir bereits sehr weit fortgeschritten und testen erste Konzepte für die Anwendungsunternehmen im Konsortium. Als Anwendungspartner sind dabei die Partner im Projektverbund zu verstehen, die die entwickelte Lösung als Ergebnis des Forschungsprojektes perspektivisch gerne bei sich im Unternehmen einsetzen möchten.

Wie sieht der weitere Fahrplan des Projektes aus? Was sind die nächsten Schritte?

Marcel Graus: Die nächsten Schritte liegen zum einen im Prototypaufbau, das heißt, vor allem dem Einbau von Messtechnik bei den Anwendungspartnern im Konsortium. Nach ersten Analysen der aufgenommenen Daten soll dann die Installation von Energiespeichern erfolgen.

Zum anderen muss die Plattform als zentrale Lösungskomponente im Projekt noch weiter an Gestalt annehmen. Dazu soll zunächst das allgemeine Plattform-Design konzeptioniert werden und die Implementierung erster Softwarebausteine erfolgen. Im weiteren Verlauf des dreijährigen Projektes wird dann die Anwendung der entwickelten Lösung in der Praxis zunehmend in den Fokus rücken.

Dieser Beitrag ist Teil einer Interviewreihe, in deren Rahmen wir auf unserer Website gelistete, innovative Projekte aus Nordrhein-Westfalen vorstellen. Weitere Informationen zum Energiewissensmanagement zur unternehmensübergreifend optimierten Energieverwendung (EWIMA) finden Sie hier.

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