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Blog 07.07.2017

Bereit für die Industrie 4.0?

von Lena Weigelin

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Ein Interview mit Marvin Drewel von INLUMIA

Marvin Drewel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Heinz-Nixdorf-Institut und koordiniert das Projekt INLUMIA. Das Projekt unterstützt Unternehmen systematisch, ausgehend von der Bestimmung ihrer derzeitigen Leistungsfähigkeit im Bereich Industrie 4.0, über die Erarbeitung einer Zielposition bis hin zur Umsetzung von Industrie 4.0. Das im Juli 2016 gestartete Verbundprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen zu befähigen, die für sie relevanten Möglichkeiten von Industrie 4.0 zu erkennen und mitarbeiterorientiert auszuschöpfen. Im Interview berichtet Herr Drewel über den aktuellen Stand des Projektes und die Zielsetzungen im weiteren Verlauf.

Herr Drewel, auf Ihrer Projekthomepage bieten Sie einen so genannten "Quick-Check für Industrie 4.0" an. Welche Möglichkeiten bietet der Quick-Check Unternehmen für die Gestaltung digitaler Transformationsprozesse und wie ist die Resonanz?

Der Quick-Check Industrie 4.0 bietet die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens im Bereich Industrie 4.0 zu bestimmen. Teilnehmer erfahren durch die Einstufung eines Referenzbereiches, wie vergleichbare Unternehmen aufgestellt sind und wo heutige Stärken und Schwächen im Kontext Industrie 4.0 liegen. So können Stärken und Schwächen eines Unternehmens in den Bereichen Technik, Business und Mensch ermittelt werden. Der Quick-Check wurde bereits von Unternehmen aus ganz Deutschland ausgefüllt – ein Nachweis für die hohe Praxistauglichkeit.

Und was passiert nachdem Unternehmen am Quick-Check teilgenommen haben?

Die Unternehmen erhalten ein Kurzzeugnis. Es gibt eine Einschätzung zur Leistungsfähigkeit des Unternehmens in den drei Dimensionen Technik, Business und Mensch. Dabei werden sie anhand von 13 Merkmalen zunächst einer Vergleichsklasse zugeordnet, welche die Grundlage für die Interpretation der gegebenen Antworten darstellt. Langfristig werden innerhalb unseres Projekts die zukünftige Bedeutung der Kriterien ermittelt und Umsetzungsmuster zur Steigerung der Leistungsfähigkeit für einzelne Kriterien zur Verfügung gestellt.

Der Quick-Check wird also stetig weiterentwickelt. Was ist Ihr nächstes Ziel?

In Kürze wird die Auswertung des Quick-Checks vollautomatisiert erfolgen. Dann erhalten teilnehmende Unternehmen ihr Kurzzeugnis in Echtzeit und können einen Vergleich zu weiteren Unternehmensklassen vornehmen. Darüber hinaus wird so auch der Vergleich zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen ermöglicht. Derzeit befindet sich die Umsetzung der Auswertelogik in einer finalen Testphase. Interessierte Unternehmen können sich jederzeit auf unserer Website über den aktuellen Umsetzungsstand informieren.

Im Rahmen des Projektes arbeiten Sie darüber hinaus mit Unternehmenspartnern gemeinsam an einer Vielzahl von Pilotprojekten. Erklären Sie uns bitte, wie diese in den Gesamtzusammenhang einzuordnen sind und was genau in den Pilotprojekten erprobt wird.

Grundlage der Pilotprojekte sind fünf Querschnittsprojekte. In diesen werden Methoden und Werkzeuge entwickelt, die in den Pilotprojekten zur Anwendung kommen. INLUMIA bietet die Möglichkeit, die erarbeiten Ergebnisse in den jeweiligen Projekten schon früh umzusetzen. Zu diesem Zweck wurde gemeinsam mit den Unternehmen der Quick-Check erarbeitet und durchgeführt. Damit wird die Grundlage für eine detaillierte Analyse besonders relevanter Bereiche gelegt, welche den Ausgangspunkt für die Leistungssteigerung bietet. Um die Mitarbeiter der Unternehmen auf die neuen Technologien vorzubereiten, werden Schulungskonzepte konzipiert.

Haben die durchgeführten Pilotprojekte schon erste praktische Auswirkungen in den beteiligten Unternehmen?

Die Pilotprojekte haben bereits zu einem frühen Zeitpunkt im Projekt dazu geführt, dass die Unternehmen ein tiefes Verständnis für ihre derzeitige Leistungsfähigkeit im Bereich Industrie 4.0 erlangt haben. Es konnten Industrie-4.0-Anwendungen identifiziert werden, welche zum einen Erfolg versprechende Potentiale adressieren und zum anderen von den sehr unterschiedlichen Pilotanwendern umgesetzt werden können. Beispiele reichen von der Entwicklung einer digitalen Fertigungsunterlage – anstatt papierbasierten Fertigungsdokumenten – über die Konzipierung eines Industrie-4.0-gerechten Fertigungsprozesses bis hin zur Planung einer gänzlich papierlosen Fertigung.

Zum Abschluss: Wie sieht der weitere Fahrplan des Projektes basierend auf den bisherigen Erfolgen aus?

Im weiteren Verlauf des Projekts werden denkbare Entwicklungen für die ermittelten Unternehmensklassen vorausgedacht, denn wer die Probleme von heute löst, hat noch lange nicht die Herausforderungen der Zukunft bewältigt. Durch die Vorausschau stellen wir sicher, dass die angestrebten Industrie 4.0-Lösungen die künftigen Anforderungen des Marktes erfüllen, den in Zukunft vorherrschenden Randbedingungen entsprechen und die erwarteten technologischen Nutzenpotentiale ausschöpfen. Qualifizierung und Partizipation der Mitarbeiter werden dabei als Schlüssel für den erfolgreichen Einsatz von Industrie 4.0 betrachtet.

Vielen Dank für Ihre Zeit und weiterhin viel Erfolg!


Weitere Informationen finden Sie hier.