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Blog 28.02.2017

Intelligenz (III): beim MWC 2017

von Monika Gatzke

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Ziemlich schräg, was hier in Barcelona vom Softbank CEO Masayoshi Son zu hören ist… Was halten Sie davon, dass er uns Schuhe prophezeit, die dank der eingebauten ARM-Chips schon bald weitaus intelligenter sein sollen als wir Menschen?

Bevor Sie entspannt lächeln, denken Sie bitte daran, dass der im Oktober 2016 gestartete Softbank Vision Fond das Ziel hat, in den nächsten Jahren immerhin 100 Mrd. US$  zu investieren. „Over the next decade, the SoftBank Vision Fund will be the biggest investor in the technology sector. We will further accelerate the Information Revolution by contributing to its development”, so Son in der Presseerklärung aus dem vergangenen Jahr. Dabei will sich übrigens laut dieser Meldung das Königreich Saudi Arabien in den nächsten fünf Jahren möglicherweise mit bis zu 45 Mrd. US$ beteiligen.

Und nun zurück zur unterhaltsamen Keynote von Masayoshi Son beim Mobile World Congress. Drei Jahrzehnte soll es noch dauern, dann werden wir (bzw. er) seiner Einschätzung nach eine künstliche Super Intelligenz produziert haben. Ein einziger Computer Chip erreiche spätestens im Jahr 2047 einen Intelligenzquotienten von 10.000. Und was tun wir? Wir treten drauf und trampeln mit Schuhen durch die Gegend, die dank der eingebauten Chips zigfach schlauer sind als wir.

Sie merken es sicherlich: Ich möchte gern ein wenig lächeln. Wenn es nur nicht  - vermischt mit anderen Entwicklungen – durchaus Anlass zu Sorge gäbe. Denken wir an das Thema IT-Sicherheit. Ein hochspezialisierter Aussteller aus Nordrhein Westfalen beim MWC, @yet Geschäftsführer Wolfgang Straßer, sieht zum Beispiel derzeit noch keine Lösungen am Markt, mit denen sich insbesondere Industrie 4.0 Szenarien/ Industrial Internet Anwendungen umfassend schützen lassen. Die IT-Security-Landschaft gleiche in der Praxis einem Flickenteppich, das Gesamtsystem werde nicht in den Blick genommen. Ich solle mir das vorstellen wie eine Favela, erläutert er mir mit seinem speziellen rheinischen Humor, lauter Bretterbuden, in denen nicht organisierte Verteidiger mit vormodernen Mitteln einen Angriff abwehren möchten, der strategisch geplant ihre Schwächen ausnutzt.

Was ein NRW-Unternehmer mit der Keynote des japanischen Milliardärs zu tun hat, fragen Sie sich? Wenn Sie den Bericht Superintelligent AI explains Softbank’s push to raise a $100BN Vision Fund von Natasha Lomas lesen, finden Sie den Zusammenhang. Son selbst belegt ihn am Beispiel des von ihm im vergangenen Jahr übernommenen britischen Chip-Herstellers ARM: „… all the chips ARM is currently shipping for use in connected cars are not, in fact, secure. Going so far as to show a video of a connected car being hacked and the driver being unable to control the brakes or steering.“

Es gibt noch eine Menge Probleme zu lösen, bevor Schuhe oder Autos als intelligent bezeichnet werden sollten, scheint mir. Aber heißt das, dass am Hype um künstliche Intelligenz, der auch beim MWC für Schlagzeilen sorgt, gar nichts dran ist? Wird so viel Geld etwa völlig ohne Grund ausgegeben? Möglicherweise verstehe ich es nur nicht. Beim MWC  bleiben mir noch drei Tage Zeit, um Informationen zu sammeln. Danach werden wir daheim weiter diskutieren müssen. Und wie sagte Detective Lester Freamon in der Serie „The Wire“: „… you start to follow the money, and you don't know where the fuck it's gonna take you.“

Falls ich Sie nicht in Barcelona treffe: Auf bald in NRW! Bis dahin,

Monika Gatzke