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Blog 15.06.2016

Ob Industrie 4.0 ein Witz ist?

von Monika Gatzke

Ob Midea die Mehrheit bei Kuka übernimmt? Oder ABB einsteigt? Diese Fragen lassen sich derzeit nicht beantworten. Dank der intensiven politischen Diskussion darüber ist aber nun auch in der breiten Öffentlichkeit klar: Industrieroboter sind wichtig. Und: Industrie 4.0 ist kein Witz.

Tatsächlich wurde ich in der vergangenen Woche während einer Konferenz in der Slowakei gefragt, ob denn kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland auch häufig der Auffassung seien, ernsthaftes Nachdenken über Industrie 4.0 im eigenen Betrieb verschwende nur wertvolle Produktivzeit. Nein, lautete meine Antwort. Aber es sei meiner Einschätzung nach keine einfache Aufgabe, eine Herangehensweise zu entwickeln. Personelle und finanzielle Ressourcen sind in KMU eben gut verplant.

Dennoch muss es sein und die Industrieroboter können einen ersten Ansatzpunkt bieten. Wie sagt Joe Gemma, der Präsident der IFR, International Federation of Robotics: “Digitalization of factories is a great challenge and opportunity faced by the manufacturing industry.” Die “Human Robot Partnership” werde eine Schlüsselrolle in der Weiterentwicklung der intelligenten Produktion spielen. Ein Beleg dafür sind die Absatzzahlen. Im vergangenen Jahr wurden nahezu 240.000 Industrieroboter weltweit verkauft, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Speziell die Automotive Industrie und die Elektronikbranche investierten verstärkt in Automatisierung. Asien, insbesondere China, war Treiber dieser Entwicklung.

Tja. Interessant ist das schon. Industrie 4.0 ist doch ausdrücklich eine deutsche Erfindung? Nur, wenn wir uns richtig erinnern, plante das taiwanesische Riesenunternehmen Foxconn (Auftragshersteller unter anderem für Hewlett-Packard, Dell, Apple, Nintendo, Microsoft, Sony) schon vor einigen Jahren, bis 2014 eine Million Roboter im Produktionseinsatz zu haben. Ob das gelungen ist, weiß man bis heute noch nicht. Aber die Meldung der South China Morning Post, dass im Foxconn Werk in Kungshan, Südchina, durch den gelungenen Einsatz von Industrierobotern die Zahl der Mitarbeiter von 110.000 auf 50.000 gesunken ist, macht doch ernsthaft nachdenklich.

Auch wenn wir die außerordentlich wichtige Frage nach den Arbeitsplätzen hier einfach ausblenden, wird die Sache mit dem Witz nicht lustiger. Vielleicht könnten KMU einfacher und risikoloser eigene Erfahrungen mit Industrie 4.0 machen, wenn sie sich Roboter zum Ausprobieren leihen? Die nach eignen Angaben weltweit erste Zeitarbeitsfirma für Roboter, die Robozän GmbH i. Gr., hat dazu ein innovatives Konzept entwickelt:  Eigentümer von Robotern können diese anderen Unternehmen zur Verfügung stellen. Die Zeitarbeitsfirma sorgt für die Beschaffung von Arbeit, den Transport zur Arbeitsstelle, das Einlernen der Arbeit und die Versicherung der Roboter. Der Auftragnehmer erhält eine monatliche Gehaltsabrechnung zum Mindestlohntarif von derzeit 8,50 Euro pro Stunde. Die beiden einzigen Verpflichtungen seitens des Abnehmers bestehen in einem befristeten Arbeitsvertrag von mindestens 6 Monaten und einer Mindesteinsatzzeit von zwei Schichten pro Tag.

Was meinen Sie dazu? Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören: gern auch einen guten Witz. Herzliche Grüße

Monika Gatzke

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